The connection between the FSB and organized crime: Swiss Intelligence’s analytical report, Chapter 4

Swiss report seabeco

Contiunation of the FSB and organized crime’s connection, Swiss Intell’s analytical report.

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4 Beziehungen zwischen OK und ND

Schon lange wird vermutet, dass viele Vertreter der OK von den
Staatsorganen, darunter auch dem FSB gedeckt werden. So lebt etwa Semjon
Mogiljewitsch, eine der mächtigsten Figuren der russischen OK, der seit
2003 vom FBI wegen Betrug[s] und Geldwäscherei gesucht wird, unbehelligt in
Russland. Es wird behauptet, er sei sogar bei den russisch-ukrainischen
Gasverhandlungen zum Teil persönlich anwesend gewesen. Bisher wurde keine
Führungsfigur der OK in Russland zur Verantwortung gezogen, was kaum mit
mangelnden Ermittlungserfolgen erklärt werden kann, sondern dafür spricht,
dass die Chefs der OK hohe Protektion genießen.

Dass umgekehrt viele ehemalige Angehörige des KBG oder der Nachfolgedienste
ihr Wissen, ihre Erfahrungen und ihr Beziehungsnetz kriminellen
Organisationen zur Verfügung stellen, ist ebenfalls bekannt. Man kann auch
davon ausgehen, dass einige der ehemaligen ND-Offiziere ihren früheren
Diensten weiter Informationen liefern. Die Form und Art der Zusammenarbeit
hier genau zu bestimmen, ist äußerst schwierig, weil bei ehemaligen ND-
Mitarbeitern nie ganz klar ist, ob sie immer noch für den ND arbeiten oder
gar zu einer weiteren Zusammenarbeit gezwungen werden.

Viele ehemalige ND-Leute besetzten auch wichtige Posten in Banken,
Sicherheitsfirmen und sonstigen großen Firmen, die ein Interesse an ihren
guten Kontakten zu den Staatsorganen haben. Da diese Firmen auch
Anziehungspunkte für kriminelle Organisationen sind, fließen dort viele
Informationen zusammen, die für beide Seiten nutzbar gemacht werden können.

Nicht zuletzt besteht durch die weitverbreitete Korruption und die geringe
Entlöhnung bei den Mitarbeitern der ND eine Bereitschaft,
nachrichtendienstliches Material für Erpressungen an politische oder
wirtschaftliche Interessengruppen zu verkaufen.

Verschieden Dienste neigen zur Ansicht, dass nicht nur einzelne oder
ehemalige ND-Angehörige in OK-Aktivitäten involviert sind, sondern dass die
ND selbst eine Interesse an einer systematischen Zusammenarbeit haben.

An Motiven für eine Zusammenarbeit oder zumindest für ein kurzfristiges
Zweckbündnis mangelt es nicht: Von Seiten der ND besteht ein Interesse,
bereits bestehende internationale Firmen- und Beziehungsnetze der OK für
eigene Zwecke zu nutzen. Weiterhin haben sie ein Interesse daran,

wirtschaftliche Aktivitäten im Allgemeinen und besonders jene der OK zu
kontrollieren. Und schließlich ist nicht zu vergessen, dass bei der OK für
Dienstleistungen oder auf Erpressungsbasis sehr viel Geld zu holen ist.

Von Seiten der OK besteht das Interesse an einer Zusammenarbeit primär im
Schutz vor Polizeiaktionen und Strafverfolgung. Weiterhin haben Kriminelle
eine Interesse an Informationen über Konkurrenten und an vereinfachten
Reise- und sonstigen Formalitäten. Überdies können den OK-Vertretern die
nachrichtendienstlichen Kontakte für Imagepflege und für den Einstieg in
wirtschaftliche Schlüsselpositionen nützlich sein.

4.1. Nordex und Seabeco

Schon beim Zerfall der SU wurde spekuliert, dass der KGB große Summen des
Staats- und Parteivermögens über private Firmen ins Ausland geschleust hat.
Das Geld soll teils zur Finanzierung politischer Aktivitäten verwendet,
teils aber auch für private geschäftliche Aktivitäten abgezweigt worden
sein. Hinter diesen Vorgängen standen oft Personen, die bereits im
Außenhandel tätig waren und über Firmenstrukturen und Beziehungen im
Ausland verfügten, so beispielsweise Sowjetbürger, die aufgrund ihrer
ethnischen oder religiösen Zugehörigkeit in den 1970er Jahren hatten
ausreisen dürfen.

Im Zentrum standen die Firmen Nordex von Grigori Lutshanski und Seabeco von
Boris Birshtain Lutshanski, 1945 geboren, Sohn einer jüdischen Familie aus
Lettland, soll eigens vom KGB rekrutiert worden sein, um ein
internationales Firmengeflecht aufzubauen, und so gründete 1989 die Nordex
mit Hauptsitz in Wien und Tochtergesellschaften auf der ganzen Welt, auch
in der Schweiz. Offiziell handelte die Firma mit Rohmaterialien aus
Russland und anderen Ländern der GUS. Die Firma wurde immer wieder mit
Korruption, Unterschlagung, Geldwäscherei und Waffenhandel in Verbindung
gebracht, so dass ein Ausbau der geschäftlichen Tätigkeiten nicht mehr
möglich war. Auch bei den Ermittlungen rund um den Geldwäschefall der Bank
of New York führten verschiedene Spuren zu Lutschanskis Firmennetz.
Lutschanski, der zum Zeitpunkt der Nordex-Gründung bereits vorbestraft war,
hat weitreichende Kontakte zu Politikern in Russland, aber auch in Lettland
unterhält er enge Beziehungen. In de GUS wurden keine Ermittlungen gegen
ihn geführt. Gemäss offenen Quellen lebt er heute in Moskau.

Auch die Seabeco-Gruppe Von Boris Birshtein wird von verschiedenen Diensten
verdächtigt, an der Veruntreuung und illegalen Ausfuhr von Staatsvermögen
beteiligt zu sein. Birstein (1947) stammt wie Lutschanski aus dem Baltikum
und ist jüdischer Abstammung. Er ist ehemaliges KGB-Mitglied und steht wohl
noch immer in Kontakt mit russischen und auch israelischen
Nachrichtendiensten. 1979 emigrierte er nach Israel und begann, ein
internationales Firmennetz aufzubauen, das offiziell vor allem mit Öl,
Gold, Diamanten und chemischen Produkten handelte, die Seabeco-Gruppe. Von
1992 bis 1999 war eine Zweigstelle der Seabeco auch in der Schweiz
registriert. Wie Lutschanski war auch Birstein in der Politik der
Nachfolgestaaten der Sowjetunion sehr gut vernetzt: der Moskauer
Bürgermeister Luschkow, die ehemaligen ukrainischen Präsidenten Krawtschuk
und Kutschma und der ehemalige moldawische Präsident Snegur gehörten zu
seinem Freundes- und Bekanntenkreis. Sehr gut vernetzt war er aber auch in
der kriminellen Welt.

Seine Seabeco-Gruppe wird mit Geldwäscherei, mit Veruntreuung von Geld aus
Kirgisien, mit undurchsichtigen Finanzoperationen über die Nordex, mit
Unterschlagung von Hilfsgeldern, mit engen Verbindungen zu Solotowskaja
sowie mit Auftragsmorden in Verbindung gebracht. In den 1990er Jahren war
Birstein Gegenstand zahlreicher Rechtshilfeersuchen, aber keine der
geführten Ermittlungen (Kanada, Belgien, Schweiz) hat bis jetzt zu einer
Verurteilung geführt.

Weder im Fall Nordex noch im Fall Seabeco konnte je bewiesen werden, dass
der KGB hinter illegalen Finanzoperationen steht. Sollte es Beweise geben,
so liegen die irgendwo bei Stellen, die kein Interesse an einer
Aufarbeitung der Geschehnisse haben. Die guten politischen Kontakte, die
die beiden Protagonisten auf höchster Ebene pflegen, sowie der schnelle
Reichtum, den sie im Handel mit staatlichen Ressourcen erworben haben,
sprechen allerdings dafür, dass sie kaum ohne Wissen und Zustimmung der
staatlichen Machtorgane agieren konnten.

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